Binder Jetting Drucker kaufen oder 3D Druck Dienstleister beauftragen? Was der Fall DSB Technologies zeigt

Wer Metallteile in Serie additiv fertigen möchte, steht vor der Grundsatzfrage: Soll man einen Binder Jetting Drucker kaufen oder einen spezialisierten 3D Druck Dienstleister beauftragen? Die Praxis-Erfahrungen von DSB Technologies geben Orientierung.

Dr. Elena Sommer
Dr. Elena Sommer
Chefredakteurin & Fachautorin
21. Oktober 2026•5 Min. Lesezeit
Binder Jetting Drucker kaufen oder 3D Druck Dienstleister beauftragen - Fallstudie DSB Technologies

Wer Metallteile in Serie additiv fertigen möchte, steht früher oder später vor einer Grundsatzfrage: Soll das Unternehmen einen eigenen Binder Jetting Drucker kaufen und die Prozesskette selbst aufbauen – oder die Fertigung an einen spezialisierten 3D Druck Dienstleister vergeben? Beide Wege haben ihre Berechtigung.

Der Fall des US-Pulvermetallurgie-Spezialisten DSB Technologies zeigt, welche Voraussetzungen eine eigene Binder-Jetting-Fertigung erfordert und wie man sie schrittweise aufbaut.

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Wer ist DSB Technologies?

DSB Technologies mit Sitz in Janesville, Wisconsin, gehört zu den großen Herstellern von Pulvermetallteilen in Nordamerika. Das Unternehmen verarbeitet jedes Jahr mehr als acht Millionen Pfund Metallpulver – rund 3.600 Tonnen –, davon über sieben Millionen Pfund Edelstahl. Bisher kamen dabei vor allem klassische Verfahren wie Pressen und Sintern sowie Metallpulverspritzguss (MIM) zum Einsatz. Am Standort stehen über 30 Hochtemperatur-Durchlaufsinteröfen, nach Unternehmensangaben die größte installierte Kapazität dieser Art in Nordamerika.

Gerade diese Ausgangslage ist für die Frage „kaufen oder beauftragen“ aufschlussreich: DSB bringt jahrzehntelange Erfahrung im Hochtemperatursintern mit – genau dem Prozessschritt, der beim Binder Jetting über Dichte und Maßhaltigkeit entscheidet.

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Stufenweise Skalierung mit der X-Serie

DSB hat die Binder-Jetting-Technologie von Desktop Metal über mehrere Jahre hinweg schrittweise eingeführt und setzt heute die komplette X-Serie ein: den InnoventX für Material- und Prozessentwicklung, den mittelgroßen X25Pro und den großformatigen X160Pro für die Serienfertigung. Ergänzt wird das durch die Simulationssoftware Live Sinter, die den Verzug beim Sintern vorhersagt und die Bauteilgeometrie vorab kompensiert. DSB bezeichnet die Software als zentralen Baustein seines Binder-Jetting-Pakets.

Verarbeitet werden unter anderem die Edelstähle 316L und 17-4 PH, der niedriglegierte Stahl 4140 sowie der Schnellarbeitsstahl M2. Für die Zukunft plant DSB zudem Binder Jetting mit Aluminium. Chief Operating Officer Paul Hauck beschreibt, was die Technologie für das Unternehmen bedeutet:

„Binder Jetting ist wirklich eine Formgebungstechnologie, die uns ein unbegrenztes Designpotenzial eröffnet.“
– Paul Hauck, Chief Operating Officer, DSB Technologies (aus dem Englischen übersetzt)

Bemerkenswert ist der Weg dorthin: Kunden-Anwendungen werden zunächst auf dem kleinen InnoventX entwickelt und anschließend auf die größeren Systeme übertragen. So bleibt das Risiko in der Entwicklungsphase überschaubar, und die Prozessparameter sind bereits erprobt, wenn die Serie anläuft.

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Kaufen oder beauftragen? Die wichtigsten Entscheidungskriterien

DSB ist selbst ein Fertigungsdienstleister – das Unternehmen hat investiert, um Binder Jetting seinen eigenen Kunden anzubieten. Für Unternehmen, die vor derselben Entscheidung stehen, lassen sich aus dem Fall klare Kriterien ableiten. Eine eigene Anlage lohnt sich vor allem dann, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Planbares Volumen: Es gibt ein stabiles Teilespektrum mit wiederkehrendem Bedarf, das die Anlage dauerhaft auslastet.
  • Sinter-Know-how: Entbindern und Sintern sind im Haus beherrscht oder können gezielt aufgebaut werden – inklusive passender Ofentechnik.
  • Strategischer Stellenwert: Die Fertigung ist ein Kernprozess, und Konstruktionsdaten sollen das Haus nicht verlassen.

Ein Dienstleister ist dagegen meist die bessere Wahl, wenn der Bedarf noch unklar ist, zunächst einzelne Anwendungen getestet werden sollen oder die Stückzahlen schwanken. Viele Unternehmen gehen deshalb einen hybriden Weg: Sie lassen erste Teile extern fertigen, sammeln Erfahrung mit Werkstoffen und Konstruktionsregeln und entscheiden auf dieser Datenbasis über eine eigene Investition. Genau dieses stufenweise Vorgehen hat sich auch bei DSB bewährt.

Bei der Kalkulation einer eigenen Anlage wird zudem oft unterschätzt, dass der Drucker nur ein Teil der Investition ist. Zur vollständigen Binder-Jetting-Prozesskette gehören ein Ofen zum Vernetzen des Binders, eine Entpulverungsstation, ein Sinterofen mit passender Atmosphäre sowie Einrichtungen für das sichere Handling von Metallpulver. Hinzu kommen Schulung, Prozessentwicklung und die Qualifizierung der ersten Bauteile. Wer diese Kosten von Anfang an einplant, kann realistisch vergleichen, ab welchem Volumen sich die eigene Fertigung gegenüber einem Dienstleister rechnet.

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Fazit der Redaktion

Der Fall DSB Technologies zeigt, dass der Erfolg im Metall-Binder-Jetting weniger vom Drucker allein abhängt als von der gesamten Prozesskette – insbesondere vom Sintern. Wer diese Kompetenz und ein planbares Volumen mitbringt, kann mit einer eigenen Anlage schnell skalieren. Für alle anderen ist der Weg über einen erfahrenen Partner der risikoärmere Einstieg, der später immer noch in eine eigene Fertigung münden kann.
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Dr. Elena Sommer
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Dr. Elena Sommer

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Schreibt regelmäßig für das Ladies Forum über neueste Trends, wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisnahe Ratschläge für moderne Frauen.

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